Ein Abfluss, der trotz Reinigung immer wieder dichtmacht, hat oft eine Ursache tief im Kanal, die man von außen schlicht nicht sieht. Genau hier beginnt die Arbeit der Kanalinspektion. Mit einer Kamerabefahrung lässt sich die Leitung von innen beurteilen, ohne dass der Boden geöffnet werden muss. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Kamerainspektion, Reinigung und Dichtheitsprüfung ineinandergreifen, was die Technik tatsächlich erkennt und in welchen Situationen sich der Aufwand auszahlt.
Was ist eine TV-Kanalinspektion?
Bei einer TV- oder Kamera-Inspektion wandert eine kleine, wasserdichte Kamera in die Abwasserleitung und wird durch das Rohr geschoben oder gefahren. Das Bild erscheint in Echtzeit auf einem Monitor, sodass sich der Zustand der Leitung Meter für Meter beurteilen lässt. Je nach Situation sitzt die Kamera auf einem biegsamen Schiebekabel für kürzere Hausanschlüsse oder auf einem fahrbaren Wagen für größere Durchmesser. So entsteht eine Dokumentation des Verlaufs, ganz ohne Grabungsarbeiten.
Der große Pluspunkt: Man muss nicht raten, wo das Problem liegt – man sieht es direkt. Aktuelle Systeme nehmen die Befahrung auf und bestimmen über eine Sonde die exakte Lage im Erdreich, also Tiefe und Position gemessen von der Oberfläche. Sollte später tatsächlich gegraben werden müssen, ist schon vorab auf wenige Meter genau bekannt, wo. Das verkürzt den Aushub und vermeidet, dass an der falschen Stelle geöffnet wird.
Was erkennt man durch eine Kamerainspektion?
Die Kamera zeigt, woran eine Blockade liegt – nicht nur, ob das Rohr frei ist. Was viele übersehen: Verschiedene Ursachen sehen auf dem Monitor ganz unterschiedlich aus, obwohl der Abfluss oben überall gleich träge läuft. Erst das Bild zeigt, ob eine Reinigung genügt oder mehr dahintersteckt.
- Ablagerungen aus Fett, Kalk oder Inkrustationen, die den Querschnitt einengen
- Wurzeleinwuchs, der über Verbindungen oder Risse in die Leitung dringt
- Rohrbrüche, Risse und abgesackte oder verschobene Rohrabschnitte
- Fehlerhaft verlegte Strecken mit Gegengefälle, in denen Wasser stehen bleibt
- Scherben, Bauschutt oder eingespülte Fremdkörper als Grund der Verstopfung
- Undichte Muffen und beschädigte Übergänge zwischen Rohrsegmenten
Ein Abfluss, der nach jeder Reinigung schon nach wenigen Wochen wieder verstopft, deutet meist auf ein bauliches Problem hin – und das findet man nur mit der Kamera.
Warum ist die Kanalinspektion sinnvoll?
Der häufigste Grund ist eine wiederkehrende Verstopfung. Setzt sich dieselbe Leitung immer wieder zu, deutet das auf eine Schwachstelle hin, die sich durch Reinigen allein nicht beheben lässt. Die Inspektion bringt Klarheit, ob eine Wurzel, ein Versatz oder stehendes Wasser durch Gegengefälle dahintersteckt – und bewahrt davor, ständig nur die Symptome zu behandeln.
Außerdem hat die Kanal-TV-Inspektion ihren Wert als Nachweis. Beim Kauf oder Verkauf einer Immobilie schafft die dokumentierte Befahrung Gewissheit über den Zustand der Abwasserleitungen. Nach Bau- oder Tiefbauarbeiten lässt sich kontrollieren, ob die Leitungen heil geblieben sind. Und wenn im Keller Geruch oder Feuchtigkeit auftritt, engt die Kamera die Ursache ein, bevor teure Grabungen beginnen.
Typische Anlässe für eine Inspektion
Reinigung und Dichtheitsprüfung: wie alles zusammenhängt
Kamerainspektion, Reinigung und Dichtheitsprüfung bilden drei Schritte, die aufeinander aufbauen. Worauf es ankommt: Eine aussagekräftige Kamerafahrt gelingt nur in einem sauberen Rohr – auf dickem Fettfilm oder im Schlamm sieht die Kamera nichts. Deshalb steht oft eine Reinigung am Anfang, etwa per Hochdruckspülung, die Ablagerungen löst und den Querschnitt wieder freigibt.
Ist das Rohr sauber und zeigt die Kamera Risse oder undichte Muffen, schließt sich die Dichtheitsprüfung an. Dabei wird die Leitung abschnittsweise mit Wasser oder Luft unter definiertem Druck getestet, ob sie dicht bleibt. Das ist der eigentliche Nachweis, ob Abwasser ins Erdreich entweicht – was weder dem Grundwasser noch dem Gebäude zuträglich ist. Die Kamera deutet die Verdachtsstelle an, die Dichtheitsprüfung von Abwasserleitungen bestätigt sie messbar.
Reinigung oder Dichtheitsprüfung?
Reinigung reicht
- Ablagerungen aus Fett und Kalk
- einmalige Verstopfung durch Fremdkörper
- Rohr baulich intakt
- Abfluss läuft danach dauerhaft frei
Prüfung nötig
- Verstopfung kommt immer wieder
- Verdacht auf Wurzeln oder Risse
- Geruch oder Feuchte im Keller
- Nachweis für Kauf, Verkauf oder nach Bauarbeiten
So läuft eine Kanalinspektion ab
Für den Hausbesitzer hält sich der Aufwand in Grenzen – das meiste spielt sich in der Leitung und am Monitor ab.
Ablauf Schritt für Schritt
- Vorgespräch und Zugang klärenZunächst wird besprochen, welche Leitung betroffen ist und welches Symptom sich zeigt. Danach sucht man einen passenden Einstieg – eine Reinigungsöffnung, einen Schacht oder einen erreichbaren Abfluss, über den die Kamera ins Rohr gelangt.
- Reinigung falls nötigLiegen Fett oder Schlamm vor, wird zuerst gereinigt – meist per Hochdruckspülung ohne Chemie, die den Querschnitt wieder vollständig freilegt.
- Kamera einführen und befahrenDie Kamera wird behutsam durch die Leitung geschoben oder gefahren, während der Verlauf am Monitor mitverfolgt wird. Auffällige Punkte werden herangezoomt und festgehalten.
- Lage einmessen und dokumentierenAn den Schadstellen erfasst eine Sonde die genaue Position und Tiefe im Boden. Die Aufzeichnung dient anschließend als Dokumentation – etwa zur Planung einer Sanierung oder als Beleg.
- Befund besprechen und entscheidenZum Abschluss wird der Befund erläutert: Genügt eine Reinigung, ist eine Dichtheitsprüfung nötig oder eine Reparatur? Auf dieser Basis lässt sich der nächste Schritt sinnvoll festlegen.
Praxisfall: Verstopfung trotz Reinigung
Ein alltägliches Beispiel: In einem älteren Münchner Reihenhaus läuft der Abfluss nur zäh ab, wird gereinigt und ist nach einigen Wochen erneut verstopft. Eine bloße Reinigung würde dieses Muster endlos wiederholen. Die Kamerabefahrung legt dann häufig die wahre Ursache offen – etwa einen feinen Wurzeleinwuchs an einer älteren Verbindung oder ein abgesacktes Rohrstück, in dem Wasser steht und sich alles ablagert.
Erst mit diesem Wissen lässt sich entscheiden, was tatsächlich hilft: ein gezieltes Fräsen der Wurzel oder eine punktgenaue Reparatur des betroffenen Abschnitts. Das ist der Unterschied zwischen Symptom und Ursache – und meist auch die wirtschaftlichere Lösung, weil das ständige Nachreinigen entfällt.


